Chilehaus – Ein Kontorhaus als Wahrzeichen Hamburgs
Henry Brarens Sloman und der Salpeter
Das Chilehaus in der Hamburg Altstadt zählt zu den architektonischen Aushängeschildern der Hansestadt. Der Unternehmer Henry Brarens Sloman beauftragte den Architekten Fritz Höger mit der Errichtung des Backstein-Haus. Das Kontorhaus wurde zwischen 1922 und 1924 errichtet und gilt als das Hauptwerk des norddeutschen Backstein-Expressionismus.
Das Chilehaus in Hamburg ist ein Wahrzeichen der Stadt
Kaum ein anderes Gebäude wird weltweit so sehr mit mit der Hansestadt Hamburg in Verbindung gebracht wie das Chilehaus. Zusammen mit dem Sprinkenhof, Miramarhaus, Montanhof, Meßberghof und weiteren Kontorhäusern gehört das Klinkergebäude zum sogenannten Kontorhausviertel Hamburg. Mittlerweile ist das Viertel mit der Speicherstadt Hamburg Teil des UNESCO Weltkulturerbes der Menschheit. Im Chilehaus befinden sich namhafte Geschäfte wie das Instituto Cervantes Hamburg, La Casa del Habano, Manufactum oder C. Bechstein Flügel & Klaviere.
Errichtung des Chilehaus

Mitten in der Inflation der 20er Jahre entstand auf dem ehemaligen Gängeviertel südlich der Steinstraße ein neues Kontorhaus. 60 Häuser wurden für den Bau des Chilehaus abgerissen. Da der Grund nicht ausreichend Tragfähigkeit besaß, mussten über 1.000 16 Meter lange Holz- und Eisenbetonpfähle in das Erdreich getrieben werden. Auf den Pfeilern wurde ein Rost errichtet auf dem das Stahlskelett des Gebäudes ruht. Stützen und Decken bestehen aus Stahlbeton. Die Fassade besteht aus Bockhorner Klinker, den Henry Sloman bereits vor der Gebäudeplanung erworben hatte. In den Treppenhäusern kam zusätzlich auch Kalkstein und Marmor zum Einsatz.
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Das Kontorhaus besteht eigentlich aus zwei Gebäuden

Eigentlich aus zwei Baukörpern (Blöcken) mit einem eigenen Innenhof A im Westen und einen Innenhof C im Osten. Beide Blöcke werden vom offenen Innenhof der Fischertwiete getrennt. Mittels zweier Rundbögen verband Höger beide Baukörper an dieser Stellen miteinander. Dadurch ließ sich die Nutzfläche von 5.950 m² auf 5.500 m² vergrößern. Der Innenhof A wird lediglich von der historischen Polizeiwache unterbrochen. Die schwierige Lage zwischen der Burchardstraße und Pumpen zwang die Erbauer eine Lösung in Form eines spitz zulaufenden Gebäudes zu wählen. In seiner Bauform erinnert es an ein Bügeleisen wie dem Flatiron Hochhaus in New York. Die Dachform verjüngt sich stufenförmig mit zunehmender Höhe. Begrenzt werden die dadurch entstandenen Balkone durch weiße Geländer. Abgeschlossen das Kontorhaus von mehreren Flachdächern.
Das Gebäude ist in Häuser unterteilt, die jeweils einen separaten Treppenaufgang haben:
- Chilehaus A (Westen, Eingang am Portal A an der Fischertwiete)
- B (Mitte, Eingang am Portal B an der Fischertwiete)
- C (Osten an der Spitze, Eingang am Portal CS an der Straße Pumpen und Portal CN an der Burchardstraße)
- D (Treppenhaus im Norden)
Der berühmte Bockhorner Klinker
Das Chilehaus wurde aus hart gebrannten Klinker aus Ostfriesland hergestellt. Der bekannte Backstein der Firma Bockhorn ist sehr witterungsbeständig. Je nach Lichteinfall, taucht er das Chilehaus in ein unterschiedliches Licht. Die geschwungenen Linien des Kontorhaus mit dem spitz zulaufenden Bug in Form eines Schiff, verleihen ihm sogar eine gewisse Leichtigkeit. Das gekonnte Beleuchtungskonzept sorgt für ein majestätisches Auftreten bei Nacht. Die Fassaden des Backsteinhaus schmücken Skulpturen und Keramik-Ornamente des Bildhauers Richard Kuöhl. Zugleich erdachte Kuöhl auch die Terrakotta-Ausstattung der Eingangsbereiche und Treppenhäuser. An der Spitze des Gebäudes befindet sich zudem das Symbol des Landes Chile, der Andenkondor.
Daten zum Chilehaus
- Bauzeit: 1922-1924
- Gesamtfläche: 30.400 m²
- Davon Bürofläche: 25.200 m²
- Fläche Einzelhandel und Lager: 5.200 m²
- Anzahl Fenster: 2.800 Stück
- Verbaute Ziegelsteine: 4,8 Millionen Stück
- Größe der beiden Grundstücke: 2.400 m² und 3.100 m²
- Nutzfläche durch Überbauung der Fischertwiete: 5.950 m² statt 5.500 m²
- Anzahl Stockwerke: 10
- UNESCO Weltkulturerbe seit: 2015
- Baukosten: ca. 10 Millionen Reichsmark
- Baustil: Backsteinexpressionismus
- Baustoff: Bockhorner Klinker
- Anzahl Etagen: 10
- Bauweise: Skelettbau
- Auftraggeber: Henry Brarens Sloman
- Architekt: Fritz Höger
- Besitzer: Union Investment
Der Architekt des Chilehaus Fritz Höger
Fritz Höger stammte aus Bekenreihe in Schleswig Holstein nahe Elmshorn und wurde dort 1877 geboren. Sein Vater war Zimmerer und Kleinbauer. Auch der junge Höger wählte zunächst eine Ausbildung zum Zimmermann wechselte anschließend jedoch zur Baugewerkschule in Hamburg (1897). Nachdem er Erfahrungen beim Architekturbüro Lund & Kallmorgen gesammelt hatte, machte der sich 1907 in der Hansestadt Hamburg als Architekt selbstständig. Zu Beginn seiner Karriere entwarf er große Landhäuser mit Walmdächern in Schleswig-Holstein. Der Stil dieser Häuser wird der „Heimatschutzarchitektur“ zugeordnet, einer wichtigen architektonischen Strömung jener Zeit. der 20er Jahre. Im Zuge des Bau der Mönckebergstraße entstanden dort viele große Warenhäuser. Höger war wie Hans Poelzig (Haus des Rundfunks) ein Verfechter der Expressionistischen Architektur.
Höger entwirft die ersten Kaufhäuser an der neuen Mönckebergstraße

1913 konnte Höger mit seinem Entwurf für das Klöpperhaus (Kaufhof) an der Mönckebergstraße 3 sowie für das Rappolthaus (1911) an der Mönckebergstraße 11 punkten. Auch seine eigenen Wohnhäuser an der Langenhorner Chaussee 115 und 109 entwarf Höger selbst. Die Krönung seines Schaffens war schließlich die Errichtung des Chilehaus 1922-24 für den Hamburger Reeder Henry Sloman. Das riesige Kontorhaus wurde in der Größe nur von seinem Entwurf für den Sprinkenhof 1927-43 übertroffen. Es ist zugleich das Hauptwerk der norddeutschen Backstein-Expressionismus. Im Jahr 1932 trat Höger in die Partei der Nationalsozialisten ein. Vor der Nordischen Gesellschaft in Lübeck hielt er zudem viele Reden. Zu seinem Verdruss blieb eine Anerkennung des Regimes jedoch aus. Fritz Höher verstarb 1949 in Bad Segeberg an den Folgen eines Schlaganfall.
Der Unternehmer Henry Brarens Sloman

Im Jahr 1924 ließ der Hamburger Unternehmer und Bankier Henry Brarens Sloman das für die damalige Stadt riesige Haus fertigstellen. Sloman wurde 1848 in Kingston upon Hull in Großbritannien geboren. Seine Eltern verloren während des Krimkriegs ihr gesamtes Vermögen und schickten ihre Kinder daher zu Verwandten nach Hamburg. Nach einer Schlosserlehre wanderte der junge Henry Sloman 1869 nach Chile aus, um für Fölsch & Martin in der Hafenstadt Iquique zu arbeiten.
Nach 22 Jahren gründete er 1892 eine eigenen Salpeterfabrik namens „Gute Hoffnung“ in Tocopilla. Damals befanden sich große Salpeter Lagerstätten in der dortigen Atacamawüste. Henry Sloman ließ daher in den Folgejahren große Mengen Salpeter in eigenen Minen abbauen und nach Hamburg verschiffen. Den Transport des wertvollen Minerals, organisierten Reedereien wie die Hamburger Firma Laeisz. Im Jahr 1898 kehrt der Unternehmer Sloman als reichster Mann der Hansestadt nach Hamburg zurück.

Auf der Seite Caminantes del desierto findest du ein Bild von Henry Brarens Sloman im Alter von 80 Jahren.

Wofür wurde Salpeter gebraucht?
Salpeter ist ein Mineraldünger, der natürlicher Form in der Atacama Wüste in Chile vorkommt. Der Grundstoff wurde früher als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. Er war jedoch auch Bestandteil von Schießpulver und Sprengstoff.Die Reederei Rob. M. Slomann & Co.
Die Reederei Rob. M. Sloman & Co. hat ihre Wurzeln im Jahr 1793 und zählt zu den ältesten Reedereien Deutschlands.
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1793: William Sloman gründete in Hamburg ein Schiffsmaklergeschäft.
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1838: Robert Miles Sloman konzentrierte sich auf das Reedereigeschäft.
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1850: Die Helena Sloman wurde als erstes deutsches Dampfschiff im regelmäßigen Transatlantikverkehr eingesetzt.
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1859: Mit 21 Schiffen war Sloman die größte Reederei Hamburgs.
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Ab 1871: Ausbau des Mittelmeerverkehrs.
Hier findest du das Chilehaus Kontorhaus auf der Karte:
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Chilehaus in Hamburg
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1. Warum heißt das Chilehaus in Hamburg Chilehaus?
Das Chilehaus verdankt seinen Namen dem südamerikanischen Land Chile. Bauherr Henry B. Sloman hatte dort mit dem Handel und der Verarbeitung von Salpeter ein großes Vermögen erwirtschaftet. Mit dem Namen wollte er an seine wirtschaftlichen Erfolge in Südamerika erinnern.
2. Wann wurde das Chilehaus gebaut?
Das Chilehaus wurde zwischen 1922 und 1924 nach den Plänen des Hamburger Architekten Fritz Höger errichtet. Es gehört zu den bekanntesten Beispielen des norddeutschen Backsteinexpressionismus und gilt als architektonisches Wahrzeichen der 1920er-Jahre.
3. Warum sieht das Chilehaus wie ein Schiff aus?
Seine markante, spitz zulaufende Ostseite erinnert an den Bug eines großen Ozeandampfers. Dieser Eindruck wird durch die geschwungenen Fassaden, die gestaffelten Obergeschosse und die langgezogene Gebäudeform verstärkt. Die außergewöhnliche Architektur macht das Chilehaus zu einem der beliebtesten Fotomotive Hamburgs.
4. Wer war der Architekt des Chilehauses?
Entworfen wurde das Chilehaus von Fritz Höger (1877–1949), einem bedeutenden Vertreter des norddeutschen Backsteinexpressionismus. Mit seiner aufwendigen Klinkerfassade und den ungewöhnlichen Gebäudeformen schuf er eines der bekanntesten Bauwerke dieser Architekturrichtung.
5. Gehört das Chilehaus zum UNESCO-Weltkulturerbe?
Ja. Seit 2015 gehört das Chilehaus gemeinsam mit dem Kontorhausviertel und der Speicherstadt zum UNESCO-Welterbe. Die Auszeichnung würdigt die außergewöhnliche Bedeutung dieser historischen Handels- und Büroarchitektur für die Entwicklung Hamburgs.
6. Kann man das Chilehaus von innen besichtigen?
Ja, Teile des Chilehauses sind für Besucher zugänglich. Besonders sehenswert sind die historischen Eingangsbereiche, Treppenhäuser und Innenhöfe. Da das Gebäude überwiegend als Bürohaus genutzt wird, sind nicht sämtliche Räume öffentlich zugänglich. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem Geschäfte und gastronomische Einrichtungen.
7. Wie viele Backsteine wurden für das Chilehaus verwendet?
Beim Bau des Chilehauses wurden rund 4,8 Millionen Ziegelsteine verarbeitet. Die kunstvoll angeordneten, dunkel schimmernden Klinker verleihen der Fassade ihre charakteristische Optik. Je nach Lichteinfall entstehen unterschiedliche Farbwirkungen und Schattenspiele.
8. Wie hoch ist das Chilehaus?
Das Chilehaus besitzt zehn Geschosse und gehörte bei seiner Fertigstellung zu den ersten Hochhäusern Hamburgs. Besonders beeindruckend sind seine gewaltigen Ausmaße, die geschwungenen Fassaden und die außergewöhnlich schmale Gebäudespitze.
9. Wo befindet sich das Chilehaus in Hamburg?
Das Chilehaus steht im historischen Kontorhausviertel der Hamburger Altstadt, zwischen Burchardstraße, Pumpen und Fischertwiete. Es liegt unweit der Speicherstadt und ist bequem über die U-Bahn-Station Meßberg erreichbar.
10. Was ist das Besondere am Chilehaus?
Das Chilehaus verbindet moderne Büroarchitektur mit einer außergewöhnlich kunstvollen Backsteinfassade. Besonders auffällig sind der schiffsbugartige Gebäudeteil, die geschwungenen Außenwände und die zahlreichen architektonischen Details. An der östlichen Spitze befindet sich außerdem die Darstellung eines Andenkondors, des Wappentiers Chiles.






















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